Anselm Grün über die transformative Kraft von Dankbarkeit, Zuversicht und Hoffnung in Führung und Leben

Pater Anselm Grün beleuchtete in seinem Vortrag „Dankbarkeit, Zuversicht und Hoffnung“ anlässlich des Firmenjubiläums von Conradi Consult, mit dessen Inhaber Jörg Conradi ich sehr verbunden bin, drei zentrale menschliche Haltungen, deren Bedeutung weit über das Private hinausreicht. Sie sind Schlüsselkompetenzen für Führungskräfte, Coaches und jeden, der sein Leben und seine Arbeit erfolgreich, kreativ und menschlich gestalten möchte. In einer Zeit, in der Pessimismus und Unsicherheit dominieren, zeigen diese Werte den Weg zu innerem Frieden, Verbundenheit und nachhaltiger Zukunftsgestaltung. Gerne fasse ich deshalb seinen Vortrag hier zusammen.


1. Dankbarkeit: Die Grundlage für inneren Frieden und Zufriedenheit

Anselm GrünDankbarkeit ist mehr als ein Gefühl – sie ist eine Haltung, die unseren Blick auf das Leben grundlegend verändert. Das deutsche Wort „dankbar“ leitet sich von „Denken“ ab: Wer richtig denkt, ist dankbar. Undankbare Menschen hingegen denken falsch über ihr Leben nach, sind nie zufrieden und gelten als unangenehm.

Die Dankbarkeit verwandelt unsere Gefühle und schenkt uns inneren Frieden. Albert Schweitzer riet, gerade in schwierigen Zeiten nach etwas zu suchen, wofür man dankbar sein kann, um das eigene Gefühl zu transformieren.

Dankbarkeit als Schutz vor Neid: Dankbarkeit bewahrt uns vor der zerstörerischen Haltung des Neids. Neid entsteht, wenn man sich mit den „falschen Leuten“ vergleicht und dadurch unzufrieden wird – der schnellste Weg zum Unglück, wie der Psychologe Watzlawick meint. Dankbar zu sein bedeutet, bewusst auf das Gute im Tag zu schauen: freundliche Blicke, die Familie, Freunde und das gewachsene Vertrauens-Netzwerk.

Fazit zur Dankbarkeit: Es gilt das Sprichwort: „Ich bin nicht dankbar, weil ich glücklich bin, sondern ich bin glücklich, weil ich dankbar bin“.


2. Zuversicht: Die aktive Gestaltung der Gegenwart

Zuversicht und Hoffnung sind eng verbunden, aber nicht identisch. Hoffnung ist eine Strebekraft der Seele, die emotionale Energie freisetzt, um etwas anzupacken. Zuversicht ist ein Gefühl in der Gegenwart, das schon in die Zukunft weist – es geht darum, das anzupacken, was jetzt da ist.

Die Bedeutung des Wortes „Zuversicht“: Das Wort Zuversicht impliziert eine aktive Haltung:

  • Sicht: Eine bestimmte, sichere Sichtweise.
  • Zu: Auf etwas zugehen, sich auf die Dinge einlassen.
  • Versicht (für/durch): Mit einem fürsorglichen Blick auf die Dinge zugehen (Pro) und durchschauen oder durchstehen (Per).

Wer zuversichtlich ist, kann schwierige Situationen durchstehen und besitzt Durchhaltevermögen. Es bedeutet auch, „auf den Grund der Dinge“ und den „eigenen Grund“ zu schauen.

Der innere Raum der Freiheit: Die wichtigste Bedingung für Zuversicht ist die Verbindung zum eigenen, inneren, „heiligen Raum“. Dieser Raum ist frei von den Erwartungen und Bewertungen anderer und unversehrt von Verletzungen der Lebensgeschichte. Wenn man ganz man selbst ist, ist man frei vom Druck, eine Rolle spielen, sich darstellen, beweisen oder rechtfertigen zu müssen.


3. Hoffnung: Der Horizont für Verbundenheit und Kreativität

Hoffnung geht stärker in die Zukunft und ist die notwendige Grundlage für Zuversicht. Eine Gesellschaft oder Firma ohne Hoffnungshorizont vereinzelt; jeder arbeitet nur für die eigenen Bedürfnisse. Hoffnung hingegen verbindet.

Hoffnung schafft Verbundenheit und Kreativität: Wo Verbundenheit herrscht, entsteht Kreativität. Angst hingegen spaltet und führt zu einem Klima, das kreative Lösungen verhindert. Für Unternehmen, gerade im Consulting-Bereich, ist die Schaffung von Verbundenheit somit ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor, der kreative Lösungen ermöglicht.

Hoffnung vs. Erwartung: Der Philosoph Gabriel Marcel unterscheidet klar:

  • Erwartungen können enttäuscht werden, legen fest und fokussieren auf das Ergebnis.
  • Hoffnung ist weiter, eröffnet einen Prozess und ist nicht an konkrete Bilder gebunden (die „absolute Hoffnung“).

Hoffnung bedeutet nicht, die Augen vor der Realität zu verschließen, sondern im Bewusstsein der Angst zu fragen: „Was brauchst du? Was kann gut werden?“. Ohne Hoffnung kann niemand eine Krise überwinden, ein Unternehmen führen oder Vater/Mutter sein.

Hoffnung als Motor für Sinn und Energie: Ernst Bloch sah Hoffnung als die Kraft, die die Gesellschaft voranbringt. Jeder Beruf – vom Consulting bis zum Arbeitsministerium – vermittelt Hoffnung (auf Sicherheit, Heilung, Lösungen). Wenn wir Hoffnung vermitteln, spüren wir den Sinn unseres Berufs und erhalten dadurch Energie. Viktor Frankl zitierte Nietzsche: „Wer ein Wozu hat, kann fast jedes Wie ertragen“.


4. Die transformative Kraft der Hoffnung

Im Gegensatz zum rationalen „Zweckoptimismus“, der Negativität ausblendet, schaut die Hoffnung das Leben so an, wie es ist, und vertraut trotzdem darauf, dass es Wege zur Wandlung gibt. Hoffnung ist aktiv.

Die Kunst, so Hildegard von Bingen, besteht darin, „die Wunden in Perlen zu verwandeln“. Selbst nach traumatischen Erfahrungen ist es möglich, eine „wertvolle Lebensspur“ der Hoffnung, Zuversicht und Milde in die Welt zu graben.

Schlussgedanke: Wir leben in einer hoffnungsarmen Zeit, in der das Jammern überwiegt. Doch „solange ich atme, hoffe ich“ (Dum spiro spero). Wir brauchen die Dankbarkeit für das Vergangene, die Zuversicht für das gegenwärtige Handeln und die Hoffnung, die unseren Horizont eröffnet. Eine Atmosphäre der Hoffnung in unseren Firmen ist ein wichtiger Beitrag für eine Gesellschaft, die dadurch Verbundenheit und neue kreative Lösungen findet.

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CHRISTOPH SCHALK

MASTER COACH & PSYCHOLOGE

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