Gründen ist kein Zufall

Ein Interview von Christoph Schalk mit Gabriele Schmidt.

Gabriele, du hast dich erst im vergangenen Jahr als Business Coach selbständig gemacht – und noch im gleichen Jahr sechsstellig skaliert. Das ist nicht selbstverständlich. Und es ist ebenso bemerkenswert, dass du schon während deiner Ausbildung bei uns in der Würzburger Akademie für Empowerment-Coaching durchgestartet bist, noch bevor du fertig zertifiziert warst. Als Ausbilder hat mich das natürlich neugierig gemacht. Aber fangen wir ganz von vorne an.

EINSTIEG & PERÖNLICHE MOTIVATION

Magst du dich kurz vorstellen: Wer bist du, was machst du – und wofür stehst du als Business Coach?

Gabriele Schmidt:  Ja, erstmal vielen Dank für die Einladung, ich habe mich total gefreut. Mein Name ist Gabriele Schmidt, ich bin 48 Jahre alt und Gründerin von UNIQ Business-Coaching. Ich habe einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund und war über 20 Jahre als Führungskraft tätig, vor allem im Gesundheitswesen und in der Dienstleistungsbranche – unter anderem als Einrichtungsleitung in der Pflege.

Was mich schon immer fasziniert hat, ist der Aufbau von Strukturen und Teams. Ich habe mehrere Organisationen für andere aufgebaut, zum Beispiel eine Seniorenresidenz, ein Plasmaspendenzentrum und verschiedene Verwaltungsstrukturen. Zudem habe ich Change-Prozesse geleitet.

Heute begleite ich Führungskräfte und ihre Teams in Entwicklungsprozessen – besonders im Gesundheits- und Pflegebereich, weil dort die Herausforderungen enorm sind: hohe Belastung und gleichzeitig ein großer Anspruch an gute Führung. Ich habe mir den Fachkräftemangel zur Aufgabe gemacht.

Wofür ich als Coach stehe, lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

Alles, was wirklich gewollt ist, ist auch machbar.

Der Titel unseres Gesprächs lautet „Gründen ist kein Zufall“. Was bedeutet dieser Satz für dich ganz persönlich?

GS:  Für mich hat das Gründen ganz viel mit einer Entscheidung zu tun. Und auch mit einer Haltung.

Natürlich gibt es im Leben Situationen, die uns in eine neue Richtung bringen – bei mir war das auch so. Aber der entscheidende Punkt ist immer: Übernehme ich Verantwortung für meinen Weg oder nicht? Solange man nur darüber nachdenkt, ist alles laut im Kopf. Man wägt ab, zweifelt, überlegt.

Aber in dem Moment, in dem man wirklich eine Entscheidung trifft, wird es plötzlich ruhig und klar. Man sieht Lösungen. Deshalb glaube ich: Gründen ist kein Zufall. Es ist eine Entscheidung und eine Haltung.

Ich erlebe viele Kolleginnen und Kollegen, die als Coaches oder Fachkräfte weiterarbeiten im Unternehmen. Ich habe aber die Haltung: Ich arbeite am Unternehmen. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Was hat dich ursprünglich dazu bewogen, den Schritt in die Selbständigkeit zu gehen?

GS:  Die Idee, mich selbständig zu machen, gab es tatsächlich schon sehr lange. Menschen in meinem Umfeld haben mir das auch immer wieder gespiegelt.

Aber wie bei vielen war da der Respekt vor dem ersten Schritt und das Gefühl, dass es noch nicht der richtige Zeitpunkt war. Der konkrete Auslöser war dann eine berufliche Situation: Ich wurde als Geschäftsführerin in ein Unternehmen geholt, um es aufzubauen und deutschlandweit zu skalieren. Als ich das Team aufgebaut hatte, entschied der Inhaber spontan, das Unternehmen doch lieber gewinnbringend zu verkaufen – und das, nachdem ich bereits aufs Land gezogen war.

Ich stand plötzlich vor der Frage: Was mache ich jetzt? Und mir wurde klar: Ich habe mein ganzes Berufsleben damit verbracht, für andere etwas aufzubauen. Strukturen, Teams, Organisationen. Da entstand der Gedanke: Das kann ich auch für mich machen – allein schon um nicht immer von den Entscheidungen anderer abhängig zu sein.

Gab es einen konkreten Moment, in dem dir klar wurde: Jetzt starte ich mein eigenes Business?

GS:  Ja, den gab es tatsächlich. Als das Unternehmen verkauft werden sollte, saß ich zu Hause und habe überlegt, wie es weitergeht. Ich hatte Jobangebote aus Essen, meiner Heimatstadt – aber wir lebten inzwischen auf dem Land.

In diesem Moment sagte meine Frau zu mir, und das änderte alles:

„Jetzt machst du endlich das, was du schon seit Jahren willst. Du machst dich selbständig und wirst Business Coach.“

Und dann war alles ganz klar. Mir wurde bewusst, dass ich eigentlich schon immer das gemacht hatte, was heute mein Beruf ist: Menschen begleiten, Führungskräfte einarbeiten, Teams entwickeln. Schon früh war ich Ausbilderin, habe geschult und Führungskräfte beim Onboarding begleitet. Der Schritt in die Selbständigkeit war deshalb im Grunde keine völlig neue Richtung – sondern die logische Schlusskonsequenz.

VON DER AUSBILDUNG INS EIGENE BUSINESS

Du hast bereits während deiner Weiterbildung an der Würzburger Akademie für Empowerment-Coaching mit dem Aufbau deines Business begonnen. Was hat dich zu diesem frühen Start bewogen?

GS:  Ich wollte die beste Ausbildung und bin deshalb weit gefahren. Und dann habe ich relativ schnell gemerkt, dass mir die Weiterbildung unglaublich liegt. Ich konnte zum ersten Mal in meinem Leben sagen: Wow, ich glaube, ich habe da eine Begabung. Ich weiß es noch – das war nach dem ersten Modul.

Ich spürte: Vieles, was wir machen und wie wir denken, habe ich in meiner Führungslaufbahn schon immer intuitiv gemacht. Plötzlich hatte es Struktur und eine klare Sprache. Ich erweiterte meinen Methodenkoffer und hatte Spaß.

Und ich wusste: Ich muss die Ausbildung nicht abgeschlossen haben, um Unternehmerin zu sein. Alles ist ein Prozess, und das Unternehmen darf mitwachsen. Wir haben ja gelernt, lösungsorientiert zu fragen – das habe ich auch mit mir selbst gemacht: Wie soll das Unternehmen heißen? Wofür soll es stehen? Wie möchte ich arbeiten?

Der Name UNIQ Business-Coaching war zum Beispiel eine bewusste Entscheidung. Ich wollte nicht meinen eigenen Namen nehmen, weil ich von Anfang an ein Unternehmen aufbauen wollte, das auch über meine Person hinaus Bestand haben kann.

Wie hast du Weiterbildung und Businessaufbau konkret miteinander verbunden?

GS:  Ich bin ein sehr strukturierter Mensch, was ein Vorteil sein kann. Ich habe relativ schnell gemerkt: Wenn ich Weiterbildung und Aufbau einfach „nebenher“ laufen lasse, ist das zu diffus und nicht effizient. Ich habe mir deshalb einen klaren Rahmen gesetzt:

  • Eine feste Tagesstruktur
  • Ein Vision-Board mit Tages-, Wochen-, Monats- und langfristigen Zielen
  • Klar definierte Zeitfenster – Zeiten für Lernen und Zeiten für den Aufbau des Unternehmens

Das hat mir geholfen, fokussiert zu bleiben. Im Grunde liefen Lernen und Aufbau parallel und haben sich gegenseitig verstärkt.

Welche Herausforderungen waren in dieser Phase am größten – fachlich, mental oder organisatorisch?

GS:  Fachlich war die Herausforderung gar nicht so groß, weil mir viele Themen vertraut waren. Die größte Herausforderung war eher mental. Da tauchte irgendwann die Frage auf, die wahrscheinlich viele Gründer kennen: Warum sollte ausgerechnet ich das schaffen – und was ist, wenn nicht? Der Markt ist überlaufen, hieß es überall.

Und gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich manchmal dazu neige, Dinge zu perfektionistisch anzugehen. Da musste ich lernen, auch mal pragmatisch zu bleiben und nicht jede Kleinigkeit zu überdenken. Was mir geholfen hat: Es geht nicht darum, sofort alles perfekt zu machen, sondern Schritt für Schritt voranzugehen.

Viele warten, bis sie „fertig“ sind, bevor sie starten. Warum hast du dich entschieden, schon vorher loszulegen?

GS:  Weil Klarheit nicht durch Nachdenken entsteht, sondern durch Handeln. Viele Dinge kosten am Anfang noch kein großes Risiko, aber sie bringen unglaublich viel Orientierung. Es ist nichts in Stein gemeißelt – alles ist ein Experiment.

Indem ich früh angefangen habe, Dinge auszuprobieren, konnte ich spüren: Passt dieser Weg wirklich zu mir? Wie fühlt sich dieser Name für mein Unternehmen an? Und ganz ehrlich: Das macht unglaublich große Freude, wenn so langsam Bilder entstehen. Mit jedem Bild habe ich mir selbst Sicherheit aufgebaut.

Was mir außerdem sehr geholfen hat, waren Vorbilder – Menschen, die sehr erfolgreich ihren Weg gegangen sind, vielleicht eine ähnliche Biografie wie ich haben und die nicht schon mit grandiosen Voraussetzungen ins Leben gestartet sind. Diese Menschen haben mir gezeigt: Es ist möglich.

STRATEGIE, POSITIONIERUNG & UMSETZUNG

Wie hast du deine Positionierung gefunden: War deine Nische von Anfang an klar, oder hat sie sich entwickelt?

GS:  Am Anfang war das tatsächlich ein Prozess. Wie viele Coaches hatte ich zunächst das Gefühl: Ich kann doch grundsätzlich viele Menschen begleiten – warum sollte ich mich einschränken? Aber relativ schnell habe ich gemerkt, dass ein „Coaching-Bauchladen“ nicht wirklich hilfreich ist, wenn man ein Unternehmen aufbauen möchte.

Der entscheidende Punkt war dann die Frage: Wo liegt meine Expertise, und wie bin ich glaubwürdig? Ich habe über 20 Jahre als Führungskraft gearbeitet, vor allem im sozialen Bereich und im Gesundheitswesen. Dort kenne ich die Herausforderungen, die Dynamiken in Teams und die Realität von Führung. Als ich damals Residenzleitung war, kamen alle Einrichtungsleitungen zu mir zur Einarbeitung – das war schon damals ein roter Faden.

Meine Positionierung hat sich letztlich aus meiner eigenen Biografie entwickelt. Ich begleite heute vor allem Führungskräfte und Teams im Gesundheits- und Sozialbereich – genau dort, wo ich selbst viele Jahre Verantwortung getragen habe. Die Menschen spüren, dass ich sie und ihre Herausforderungen verstehe. Ein zentraler Satz für mich ist: Wenn Menschen sich gesehen fühlen, entsteht Verbindung. Es war keine Entscheidung vom Schreibtisch aus, sondern ein Prozess aus Gesprächen, Reflexion und Erfahrung.

Mit welchem Ziel oder welcher Vision bist du gestartet?

GS:  Meine Vision war von Anfang an relativ klar: Ich wollte Menschen in anspruchsvollen beruflichen Situationen unterstützen – besonders dort, wo die Belastung hoch ist und gleichzeitig viel Verantwortung getragen wird. Ich möchte es anders und leichter machen, weil ich weiß, dass es geht.

Ich habe mir den Fachkräftemangel zur Aufgabe gemacht. Da ist so viel Druck auf Führungskräften und deren Teams. Es möglich zu machen, den Blick nicht nur auf Probleme und Mangel zu richten, sondern auf Möglichkeiten und vorhandene Ressourcen – das ist mein Kern. Die Coaching-Ausbildung hat mir dafür eine klare Methodik gegeben.

Welche strategischen Entscheidungen waren im Rückblick entscheidend für deinen schnellen Erfolg?

GS:  Eine wichtige Entscheidung war, auf mein bestehendes Netzwerk zu bauen. Ich habe ja nicht bei null angefangen. In meinen früheren Führungspositionen habe ich viele Menschen kennengelernt und immer großen Wert darauf gelegt, Beziehungen langfristig zu pflegen. Als ich gegründet habe, habe ich wirklich eine Liste gemacht – 150, 200 Kontakte. Da haben mir andere gesagt: So viele Leute kenne ich gar nicht. Aber ich habe wirklich jeden mitgenommen – den Schulleiter meines Sohnes, Menschen, bei denen ich dachte: Der muss wissen, dass ich jetzt Business Coach bin. Ich habe Umschläge verschickt, Dinge hochwertig gemacht – auch als Ausdruck von Wertschätzung. Das Feedback war unglaublich: „Endlich sind Sie selbständig!“

Eine zweite wichtige Entscheidung war, mich parallel immer weiterzuentwickeln. Die Zertifizierung ist für mich kein Endpunkt, sondern ein wichtiger Meilenstein. Ich investiere bis heute kontinuierlich in Weiterbildung, neue Methoden und neue Perspektiven – immer mit der Frage: Was ist mein größter Nutzen für meine Auftraggebenden?

Und eine dritte Entscheidung war, mir relativ früh Unterstützung zu holen. Inzwischen arbeite ich mit einem kleinen Team von vier Menschen zusammen, weil nicht alles allein gemacht werden muss. Andere können Dinge besser als ich – das schafft Freiraum und ermöglicht gleichzeitig weiteres Wachstum.

Welche Strukturen, Prozesse oder Tools haben dir geholfen, von Beginn an professionell zu arbeiten?

GS:  Eine wichtige Grundlage war die Coaching-Ausbildung selbst – das lösungsorientierte Coaching ist für mich bis heute ein sehr stabiles Fundament. Darüber hinaus habe ich früh begonnen, meinem Unternehmen klare Strukturen zu geben: Wie soll mein Arbeitsalltag aussehen? Welche Ziele habe ich täglich, wöchentlich, monatlich und jährlich? Diese überprüfe ich regelmäßig und passe sie an.

Am Anfang habe ich oft zu viel in einen Tag gepackt und Dinge auf den nächsten Tag verschoben. Heute plane ich realistischer – in Richtung Kaizen – und lasse bewusst auch Zeitfenster offen. Ich arbeite viel digital und nutze inzwischen auch KI und Automatisierung, um Abläufe effizienter zu gestalten.

Inhaltlich haben mir bestimmte Tools sehr geholfen, zum Beispiel das VISTEMA-Board oder die SokratesMap aus der Schweiz, die Teams hilft, komplexe Zusammenhänge sichtbar zu machen. Und vielleicht das Wichtigste: klare Prozesse in der Zusammenarbeit mit meinen Auftraggebenden. Eine saubere Auftragserklärung am Anfang sorgt dafür, dass am Ende auch wirklich das entsteht, was gebraucht wird.

Gab es Entscheidungen, bei denen du heute sagen würdest: „Das würde ich so nicht mehr machen“?

GS:  Wenn ich heute zurückblicke, würde ich vielleicht eine Sache etwas anders machen. Am Anfang habe ich sehr viele Weiterbildungen parallel gemacht – mir war wichtig, mein Wissen zu vertiefen und meine Coachingarbeit sauber zu dokumentieren. Das war fachlich sehr wertvoll, aber auch ziemlich intensiv, weil ich neben der Arbeit noch viel Zeit in Nachbereitung investiert habe. Rückblickend hätte ich mir da an manchen Stellen etwas mehr Raum gönnen können.

Aber insgesamt muss ich sagen: Wirklich gravierende Fehlentscheidungen gab es bislang gar nicht. Natürlich gab es kleinere Stolpersteine – die gehören wahrscheinlich zu jeder Gründung dazu. Insgesamt war der Weg für mich überraschend klar und konsequent.

WACHSTUM & SKALIERUNG

Du hast im Gründungsjahr einen sechsstelligen Umsatz erreicht. Was waren die wichtigsten Hebel auf diesem Weg?

GS:  Das, was mich bis heute immer ein Stück weit begleitet, ist: Fast alles, was man anfasst, ist das erste Mal – da verhaue ich mich immer wieder in Zeiten, in Vorbereitungszeiten. Ich dachte, zwei Stunden für 30 Posts, kein Problem – es waren sechs Stunden. Das macht mir heute bewusstere Puffer wichtig.

Ein wichtiger Hebel war, ruhig zu bleiben und nicht in Panik zu verfallen, gerade in der Anfangsphase. Ich möchte nicht in Umstätzen denken – das macht mir einen unangenehmen Druck. Ich möchte meine Arbeit mit Leidenschaft machen und dann wird sie gut, und dann kommen auch Umsätze. Und das hat sich bestätigt.

Ein zweiter Hebel war, mich nicht geografisch einzuschränken. Ich arbeite deutschlandweit und habe mich bewusst nicht nur auf meine Region begrenzt. Eine gute Absprache zuhause ist dabei wichtig – ein Unternehmen, das erfolgreich ist, aber die Beziehung an die Wand fährt, nutzt auch nichts. Es braucht ein Commitment.

Und ein dritter wichtiger Punkt war, relativ früh Aufgaben abzugeben – für Social Media, Backoffice oder Finanzen. Dadurch konnte ich mich stärker auf meine eigentliche Arbeit konzentrieren: Coaching und Organisationsentwicklung. Und vielleicht noch ein letzter Punkt: Beziehungen pflegen. Mir war immer wichtig, mit Auftraggebenden im Kontakt zu bleiben und Zusammenarbeit wertzuschätzen. Das hat viele Folgeaufträge ermöglicht. Dabei ist Authentizität sehr wichtig.

Gab es ein bestimmtes Angebot oder Format, das den Durchbruch ausgelöst hat?

GS:  Mir hat es schon immer geholfen und Freude gemacht – und das ist ganz wichtig – Dinge anders zu machen und anzugehen. Daher UNIQ und bald auch die UNIQ-Group.

Zudem war ein wichtiger Durchbruch die Nominierung für den Pflegeinnovationspreis durch meine Arbeit mit der SokratesMap. Ich bin in Deutschland die Einzige, die sie in dieser Form nutzt und künftig ausbilden darf. Ich bin voller Demut und gleichzeitig Freude, weil ich so vielen Menschen und Teams helfen kann.

Das ist ein Tool aus der Schweiz, das Organisationen hilft, komplexe Strukturen und Kommunikationsprozesse sichtbar zu machen. Mich hat besonders überzeugt, dass hier nicht nur einzelne Perspektiven sichtbar werden, sondern die kollektive Intelligenz des gesamten Teams – lösungsorientiert und kurzfristig umsetzbar. Gerade in Einrichtungen mit hoher Komplexität, zum Beispiel Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern, kann man damit sehr schnell erkennen, wo Stärken, Entwicklungspotenzial und Ressourcen bereits vorhanden sind.

Wie hast du deine Preisstrategie entwickelt – und wie hat sie sich im Laufe des Jahres verändert?

GS:  Am Anfang war meine Preisgestaltung tatsächlich ein Lernprozess. Ich habe mich an Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen orientiert und Marktanalysen gelesen. Und ich hatte am Anfang auch das Gefühl: Hä, da kann ich ja noch nicht viel für nehmen – ich bin ja noch in der Weiterbildung. Aber man ist ja nicht nackt. Man bringt schon ganz viel mit. Und das zusammen hat dazu geführt, dass ich gesagt habe: Den und den Preis nehme ich – und das bin ich auch wert.

Mit der Zeit wurde meine Preisgestaltung klarer und selbstverständlicher. Heute orientiert sie sich stärker am Wert meiner Arbeit und an der Wirkung, die sie in Organisationen hat. Gleichzeitig ist mir wichtig, langfristige Partnerschaften zu pflegen – deshalb arbeite ich zum Beispiel mit Key-Account-Modellen bei größeren Auftraggebenden. Was ich nicht gemacht habe, ist, unter Freunden oder in der Familie Rabatte zu geben. Was nichts kostet, ist nichts wert – das habe ich sehr schnell gespielt gemerkt.

MINDSET, INNERE ARBEIT & PERÖNLICHE ENTWICKLUNG

Welche inneren Überzeugungen oder Denkhaltungen haben dich besonders unterstützt – und welche musstest du transformieren?

GS:  Eine Überzeugung hat mich sehr getragen:

Alles, was wirklich gewollt ist, ist auch machbar.

Ich habe schon immer eher lösungsorientiert gedacht, und das hat mir in der Gründungsphase sehr geholfen. Gleichzeitig gab es natürlich auch Themen, die ich transformieren musste. Zum Beispiel Zweifel an mir selbst, die Frage: Bin ich wirklich gut genug? Meine „Auftrittsangst“, die sich über die Zeit verändert hat.

Die Coaching-Weiterbildung war für mich in dieser Hinsicht ein großer Meilenstein. Ich habe dort viel über meine eigenen Muster gelernt und angefangen, bewusster mit ihnen zu arbeiten. Ein wichtiges Thema war Vertrauen – Vertrauen in mich selbst und in den Prozess.

Und ich habe gelernt, Dinge an mir, die ich früher eher kritisch gesehen habe, auch als Stärke zu betrachten. Ein Beispiel ist meine Ungeduld. Die hat mich manchmal gestresst, aber sie hat mich ins Handeln und dorthin gebracht, wo ich jetzt stehe.

Wie bist du mit Zweifeln, Rückschlägen oder Phasen der Unsicherheit umgegangen?

GS:  Zweifel gehören für mich ganz normal zum Gründen dazu. Ich habe versucht, sie nicht zu verdrängen, sondern ernst zu nehmen. Zweifel sind oft ein Hinweis darauf, dass man genauer hinschauen sollte.

Ein Satz hat mir dabei immer geholfen:

„Glaube nicht alles, was du denkst.“

Gerade am Anfang entstehen viele Gedanken, die nicht unbedingt auf Fakten beruhen. Ich erinnere mich noch genau: Wochenlang war da dieses: Warum ich? Und wenn ich das nicht schaffe, was mache ich dann? Irgendwann kam dann: Na ja, aber warte mal – der Bedarf ist ja da und er steigt auch. Was brauche ich? Lernen und Fleiß. Beides war immer schon da.

Deshalb habe ich versucht, meine Fragen möglichst faktenbasiert zu klären: Wie sieht der Markt wirklich aus? Ich habe Studien gelesen. Und ich habe mich auch selbst coachen lassen – ich finde es wichtig, dass Coaches auch selbst Begleitung in Anspruch nehmen.

Wo bist du persönlich an Grenzen gestoßen – und wie hast du sie erweitert?

GS:  Eine sehr konkrete Grenze war ein Ereignis in meinem Gründungsjahr: Ich habe mir beim Tennisspielen und Netzwerken den Fuß gebrochen.

Das war natürlich erstmal ein Schock, weil ich zu dieser Zeit viele Termine hatte und viel unterwegs war. Ich habe in solchen Situationen gelernt, mir die Frage zu stellen:

Wofür ist das jetzt gerade gut?

Was ist jetzt möglich, und was vielleicht nicht? Ich hätte die Termine absagen oder verschieben können. Stattdessen habe ich mir eine Assistenz gebucht – eine Person, die ich nicht kannte. Mir war wichtig zu überlegen: Was braucht sie, um ihren Job gut zu machen, ohne von mir abhängig zu sein? Ich baute ihr eine Timeline mit detailliertem Setting. Das war großartig. Wir brauchten kein einziges Wort zu sprechen.

Für mich war es aber auch ein Moment, ein bisschen langsamer zu werden und bewusster auf mich selbst zu schauen. Ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, nicht nur zu leisten, sondern auch in Verbindung mit sich selbst zu bleiben. Und gleichzeitig hat mich diese Situation darin bestätigt, dass ich grundsätzlich jemand bin, der weitergeht, auch wenn es herausfordernd wird.

Welche Rolle spielt Selbstfürsorge in deinem Alltag als Unternehmerin?

GS:  Ehrlicherweise muss ich sagen: In der Anfangsphase ist Selbstfürsorge manchmal etwas in den Hintergrund gerückt. Wenn man mit viel Energie ein Unternehmen aufbaut, kann der Fokus sehr stark auf Leistung liegen.

Ich habe aber relativ schnell gemerkt, dass das langfristig nicht funktioniert. Ich habe sehr früh für mich gebucht, weil mir völlig klar war: Gründung wird anstrengend, du musst auch etwas für dich machen. Reflektion und die Verbindung zu mir selbst haben mir dabei sehr geholfen. Das hat auch den netten Nebeneffekt, dass ich sehr kreativ bin – und ich merke, wenn ich gestresst bin, verliere ich das. Wenn ich dann wieder in Verbindung mit mir bin, kommen neue Projekte.

Heute achte ich bewusster darauf, meine Strukturen so zu gestalten, dass auch Raum für mich selbst bleibt. Das bedeutet nicht, weniger zu tun, sondern klüger zu arbeiten, Dinge zu delegieren und mich selbst nicht permanent unter Druck zu setzen.

LEARNINGS FÜR ANGEHENDE GRÜNDER & COACHES

Welche drei Fehler würdest du anderen Gründern gern ersparen?

GS: 

  • Zu viel Zeit im Grübeln verlieren. Wenn man spürt, dass man diesen Weg gehen möchte, bringt es wenig, immer wieder hypothetische Risiken durchzuspielen. Viele Dinge lässen sich erst klären, wenn man wirklich ins Handeln kommt – und dann klären sie sich auch.
  • Zu stark auf die Meinungen anderer hören. Rückmeldungen können wertvoll sein, aber man muss lernen zu unterscheiden, welche Stimmen wirklich relevant sind und welche eher Projektionen oder eigene Ängste widerspiegeln.
  • Völlig unstrukturiert starten. Man braucht am Anfang keinen perfekten Plan, aber eine grobe Richtung, eine Tagesstruktur und eine Idee, wohin die Reise gehen soll. Gründen ist kein starres System, eher ein Experiment – aber dieses Experiment braucht trotzdem einen Rahmen.

Was sollten angehende Coaches auf keinen Fall aufschieben, wenn sie ernsthaft gründen wollen?

GS:  Entscheidungen. Ich erlebe oft Menschen, die sehr lange über Dinge nachdenken – zum Beispiel: „Ich denke seit vier Monaten über meine Zielgruppe nach.“ Aber viele dieser Fragen klären sich erst im Tun. Wenn ich mich heute positioniere, heißt das ja nicht, dass es in zwei Jahren noch genauso aussehen muss.

Bewegung bringt Klarheit, nicht umgekehrt.

Was sagst du Menschen, die glauben, der Markt sei „schon voll“?

CS:  Der Markt wird ja auch tatsächlich voller. Was würdest du unseren Zuhörerinnen und Zuhörern heute darauf antworten?

GS:  Das habe ich am Anfang auch gefühlt jeden Tag gehört. Und irgendwann kam: Na ja, aber warte mal – der Bedarf ist ja da und er steigt auch.

Der Markt mag groß sein, aber der Bedarf ist es auch. Gerade in Zeiten von Unsicherheit und Veränderung wächst der Bedarf an guter Begleitung für Führungskräfte und Teams. Entscheidend ist deshalb nicht nur, dass man Coach ist, sondern wofür man steht und welchen konkreten Nutzen man bietet. Welches Problem man löst.

Wenn man eine klare Expertise hat und authentisch arbeitet, findet man auch seinen Platz im Markt. Davon bin ich fest überzeugt.

Was hättest du dir zu Beginn deiner Gründung von einer Mentorin oder einem Coach gewünscht?

GS:  Ich glaube, ich hätte mir einen Sparringspartner gewünscht. Jemanden, mit dem man regelmäßig reflektieren kann: Wo stehe ich gerade? Was sind die nächsten sinnvollen Schritte? Keinen Menschen, der einem den Weg vorgibt – denn jeder Weg ist individuell. Aber jemanden, der Impulse gibt, Fragen stellt und vielleicht auch für kurze Rückfragen erreichbar ist. Gerade in der Anfangsphase hilft das sehr, weil es Grübelschleifen verkürzen kann.

Das mache ich jetzt selbst für die VISTEMA-Welt – hier bin ich Customer Success Manager und begleite Gründer durch diese Phase, intensiv und auf Augenhöhe.

Wenn du heute noch einmal starten würdest: Was würdest du wieder genauso machen – und was anders?

GS:  Sehr vieles würde ich tatsächlich genauso machen. Ich habe relativ früh begonnen, mein Netzwerk zu nutzen, sichtbar zu werden und gleichzeitig kontinuierlich an mir selbst zu arbeiten. Das hat sich als sehr wertvoll erwiesen.

Was ich vielleicht etwas anders machen würde: Ich würde mir am Anfang ein bisschen mehr Ruhe geben und nicht ganz so viele Weiterbildungen parallel planen. Aber grundsätzlich bin ich sehr dankbar für den Weg, den ich gegangen bin. Viele Entscheidungen haben sich im Rückblick als genau richtig herausgestellt.

BLICK NACH VORN & INSPIRATION

Wo steht dein Business heute – und was sind deine nächsten Ziele oder Visionen?

GS:  Mein erstes Gründungsjahr habe ich mit einem Umsatz von etwa 135.000 Euro abgeschlossen. Für das kommende Jahr plane ich ein Wachstum von ungefähr 30 Prozent. Wenn sich die Aufträge so entwickeln wie gedacht, könnte ich sogar in Richtung 200.000 Euro Umsatz kommen. Natürlich ist es schön, diese Entwicklung auch in Zahlen zu sehen. Aber ich möchte nicht, dass es zum Ballast wird oder der einzige Antrieb.

Gleichzeitig geht es mir nicht nur um Wachstum im klassischen Sinn. Ich arbeite inzwischen mit einem kleinen Team zusammen und habe mehrere Coaches, die Interesse an Kooperationen oder an einer Ausbildung im Bereich der SokratesMap signalisiert haben. Menschen, die sich vielleicht mit meiner Begleitung in die Selbständigkeit trauen.

Es wird eine größere Struktur entstehen – die UNIQ Group, in der UNIQ Business Coaching nur ein Teil sein wird. Meine Vision ist, mit starken Kooperationen deutschlandweit zu arbeiten und Menschen in Organisationen zu unterstützen, besonders dort, wo Zusammenarbeit und Führung herausfordernd sind.

Und gleichzeitig ist mir wichtig, bei all dem mit mir selbst in Verbindung zu bleiben. Denn genau diese innere Ruhe ist für mich eine wichtige Grundlage meiner Arbeit und ermöglicht mir meine Kreativität.

Woran wirst du erkennen: „Das war ein stimmiger Weg für mich“?

GS:  Ich glaube, ich werde das nicht nur an Zahlen oder erreichten Zielen erkennen. Natürlich ist es schön, wenn Ziele erreicht werden – dann weiß man, dass man realistisch geplant hat.

Aber für mich ist ein Weg vor allem dann stimmig, wenn ich weiterhin kreativ bleibe, Ideen habe und in Verbindung mit Menschen und mir selbst bin. Ich habe in der Zeit meiner Gründung unglaublich viele inspirierende Menschen kennengelernt, mit ähnlichen Visionen und Werten – solche Begegnungen bedeuten mir sehr viel.

Und ein stimmiger Weg bedeutet für mich auch, dass meine wichtigsten Menschen weiterhin an meiner Seite sind. Erfolg macht für mich nur dann wirklich Sinn, wenn er nicht auf Kosten der eigenen Beziehungen entsteht.

Wenn du deinem früheren Ich am Start deiner Gründung einen Rat geben könntest – welcher wäre das?

GS:  Ich würde sagen: Bleib ruhig und vertraue dem Prozess. Am Anfang ist man oft sehr nervös und möchte alles gleichzeitig lösen.

Aber alles entsteht Schritt für Schritt, auch in Mini-Schritten. Mir hilft es heute sehr, nicht in riesigen Bergen oder Herausforderungen zu denken, sondern in kleinen, manchmal kaum spürbaren Schritten. Wir denken viel zu oft nur in Schwarz-Weiß: geht oder geht nicht. Wenn man nur auf das große Ziel schaut, wirkt es oft überwältigend. Wenn man dagegen kleine Schritte geht, wird Entwicklung plötzlich leicht und macht Spaß. Das ist auch etwas, womit ich heute in meiner Coachingarbeit viel arbeite.

Zum Abschluss: Was ist die eine Sache, die angehende Gründerinnen und Gründer heute tun können, um aus „irgendwann gründe ich“ ein „ich starte jetzt“ zu machen?

GS:  Macht aus „irgendwann“ etwas Konkretes – denn „irgendwann“ ist ein sehr diffuser Begriff. Ein erster Schritt könnte sein, sich ein Datum zu setzen und einen kleinen, realistischen nächsten Schritt zu definieren. Vielleicht ist es nicht sofort die Gründung, aber vielleicht ein Gespräch, eine Recherche oder eine erste Entscheidung.

Und auf keinen Fall sollte man nur auf den Mangel schauen oder auf das, was man nicht kann oder vielleicht nicht weiß – sondern wirklich einfach sagen: Ja, ich mache das jetzt mal. Gute Menschen werden in jeder Branche gesucht. Immer so ein bisschen die Extrakurve drehen und extra ein bisschen mehr Mühe machen – das, glaube ich, kann helfen.

Für mich war der Einsatz eine Chance, die ich nicht missen möchte. Es ist nicht nur Mut und Risiko – es ermöglicht auch, sich zu entfalten und aus starren vorgegeben Rahmen etwas Tolles zu entwickeln. Und dann bekommt man die Chance, das erste Mal das zu verdienen, was man wirklich verdient.

CS:  Das kann ich nur unterstreichen. Herzlichen Dank, Gaby – für deine Offenheit, deine Klarheit und dieses sehr persönliche Gespräch.

GS:  Sehr gerne. Danke für die Einladung.

Das Interview führte Christoph Schalk

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CHRISTOPH SCHALK

MASTER COACH & PSYCHOLOGE

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