Glaubenssätze coachen: Wie wir hinderliche Überzeugungen wirksam verändern

„Ich schaffe das nicht.“ „Dafür bin ich nicht gut genug.“ Sätze wie diese klingen beiläufig – und steuern doch erstaunlich viel davon, was wir uns zutrauen und wie wir uns fühlen. Als Coaches begegnen sie uns ständig. Die gute Nachricht: Glaubenssätze sind veränderbar.

In diesem Artikel teile ich die Gedanken und Werkzeuge, die mir bei der Arbeit mit hinderlichen Überzeugungen am wichtigsten sind – damit Sie als Coach davon profitieren.

Warum Glaubenssätze keine Denkfehler sind

Glaubenssätze sind tief in uns verankerte Annahmen über uns selbst, andere Menschen und das Leben. Sie können hinderlich sein („Ich bin zum Scheitern verdammt“), aber genauso stärkend („Ich nehme mein Glück selbst in die Hand“).

Der für mich entscheidende Punkt für die coachende Haltung: Fast jeder hinderliche Glaubenssatz war einmal ein sinnvoller Bewältigungsversuch. Er ist oft in der Kindheit entstanden und hat damals tatsächlich geholfen, eine Situation angemessen zu meistern. Heute ist der ursprüngliche Sinn meist verloren gegangen – oder der Satz wurde übergeneralisiert und gilt plötzlich überall.

Wer das versteht, geht anders ins Coaching. Wir argumentieren den Glaubenssatz nicht weg, sondern würdigen erst seine Schutzfunktion. Genau diese Wertschätzung macht den Coachee bereit für Veränderung.

Die kleine Brücke: vom „nicht“ zum „noch nicht“

Eines der wirksamsten Werkzeuge ist zugleich das einfachste. Wenn ein Coachee sagt „Ich schaffe das nicht“, ist der Sprung zur Gegenüberzeugung „Ich schaffe das“ oft zu groß – das Gehirn glaubt ihn schlicht nicht.

Deshalb arbeiten wir mit einem Zwischenschritt:

  • Ausgangssatz: „Ich schaffe das nicht.“
  • Übergang: „Ich schaffe das noch nicht.“
  • Neue Überzeugung: „Ich schaffe das.“

Dieses kleine Wort „noch“ ist eine Brücke. Es öffnet einen Möglichkeitsraum, ohne die Realität zu leugnen. In dieselbe Richtung wirkt das Reframing: Aus „Ich kann das nicht“ wird „Wie kann ich es lernen?“, aus „Das ist zu schwer“ wird „Das ist eine Herausforderung“, aus „Ich bin zu alt“ wird „Es ist nie zu spät“. Die Aufgabe des Coaches ist es nicht, dem Coachee diese Sätze vorzusagen, sondern ihn die für ihn stimmige Formulierung selbst finden zu lassen.

Selbst-Empowerment: wenn der Körper mitlernt

Besonders kraftvoll ist eine Methode aus dem Empowerment-Ansatz, die mit Selbstschwächungen arbeitet – also mit Selbstvorwürfen („Mensch, bin ich blöd!“), Vorwürfen an andere oder dem Gefühl, plötzlich ganz klein zu werden.

Das Vorgehen besteht aus drei Bausteinen:

  1. Die Selbstschwächung benennen – und zwar annehmend: „Auch wenn ich mir vorwerfe, zu blöd dafür zu sein, …“
  2. Eine Selbst-Empowerment-Aussage anschließen: „… so liebe und achte ich mich, wie ich bin“ oder „… gehe ich meinen ganz eigenen Weg“.
  3. Beides mit einer körperlichen Geste verankern (Embodiment) – einer sanften „Herzmassage“ am Selbststärkungspunkt.

Der Clou liegt in der Wiederholung: mehrmals täglich und zusätzlich in akuten Situationen. So lernt nicht nur der Kopf einen neuen Satz – der Körper lernt mit. Diese Verbindung von Sprache und Körper macht den Unterschied zwischen einer netten Idee und einer Überzeugung, die im Alltag wirklich greift.

Glaubenssätze, Antreiber und die Delta-Falle

Wer mit Resilienz arbeitet, kennt die Verbindung: Viele hinderliche Glaubenssätze wirken über innere Antreiber – „Sei perfekt!“, „Mach es allen recht!“, „Sei stark!“. Sie erzeugen ständige Soll-Ist-Diskrepanzen: die Lücke zwischen dem, was wir glauben leisten zu müssen, und dem, was tatsächlich ist.

Genau diese Lücke ist ein stiller Treiber von Stress und Erschöpfung. Im Coaching stellen wir dem überstarken Antreiber deshalb eine innere Erlaubnis gegenüber: dem „Sei perfekt!“ ein „Ich darf ich selbst sein“, dem „Beeil dich!“ ein „Ich darf mir Zeit nehmen“. Es geht nicht darum, den Antreiber abzuschaffen – er hat ja auch eine Kraftseite. Es geht darum, ihn freundlich, aber bestimmt in die Schranken zu weisen.

Würdigen statt bekämpfen

Wenn ich auf all diese Methoden schaue, zeigt sich ein roter Faden: Glaubenssätze verändern wir am besten nicht im Kampf gegen die alte Überzeugung, sondern indem wir ihren ursprünglichen Sinn würdigen und Schritt für Schritt eine neue, stimmige Haltung wachsen lassen.

Viele dieser Methoden vertiefen wir in den Fortbildungen und Coachausbildungen der Würzburger Akademie für Empowerment-Coaching. Denn am Ende geht es um eines: dass die Menschen, die wir begleiten, nicht nur funktionieren, sondern in ihrer Kraft bleiben.

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CHRISTOPH SCHALK

MASTER COACH & PSYCHOLOGE

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