Das „Rührei-Prinzip“: Wie Sie festgefahrene Muster spielerisch knacken

Kennen Sie das? Ein bestimmtes Thema triggert Sie, und ehe Sie sich versehen, stecken Sie mitten in einem altbekannten Film aus Ärger, Blockade oder Selbstzweifeln. Es fühlt sich an, als liefe ein inneres Programm ab, das man nicht stoppen kann. Die gute Nachricht: Jedes Problem hat ein Drehbuch. Und Drehbücher kann man umschreiben – oder einfach mal ordentlich „durchrühren“.

In meiner Arbeit als Coach begegne ich oft Klienten, die sagen: „Ich weiß genau, was passiert, aber ich kann nicht anders.“ Psychologisch gesehen befinden wir uns in solchen Momenten in einer sogenannten „Problemtrance“. Unser Gehirn hat eine Autobahn für dieses spezifische Problem gebaut. Der Ablauf ist so automatisiert, dass er unwillkürlich geschieht.

Um diese Autobahn zu verlassen, brauchen wir keine mühsame Vergangenheitsbewältigung, sondern eine beherzte Musterunterbrechung. Hier kommt das „Rührei-Prinzip“ ins Spiel.

Das Drama in 5 Akten: Ihr persönliches Problem-Drehbuch

Bevor wir rühren, müssen wir wissen, was in der Pfanne ist. Jedes festgefahrene Muster lässt sich als ein „Drama in 5 Akten“ beschreiben. Beobachten Sie sich einmal selbst:

  1. Der Auslöser: Ein schiefer Blick des Chefs, eine E-Mail vom Partner oder ein bestimmter Gedanke.
  2. Die innere Mobilmachung: Die Atmung wird flacher, die Muskeln spannen sich an.
  3. Der innere Dialog: Sätze wie „Nicht schon wieder!“ oder „Das schaffe ich nie!“ tauchen auf.
  4. Das Problem-Verhalten: Sie ziehen sich zurück, werden laut oder erstarren.
  5. Der Abspann: Das schlechte Gefühl danach, oft garniert mit Selbstentwertung („Warum bin ich wieder so reagiert?“).

Dieses Drehbuch läuft meist blitzschnell ab. Es ist so starr, dass wir uns als Opfer des Prozesses fühlen. Doch genau diese Starrheit ist die Angriffsfläche für das Rührei-Prinzip.

Die Technik: Den Autopiloten verwirren

Das Ziel des Rührei-Prinzips ist es, die unwillkürliche Abfolge durch bewusste Verwirrung zu stoppen. Wenn die Reihenfolge nicht mehr stimmt, kann das Gehirn das alte Programm nicht mehr „abfeuern“.

1. Die Akte vertauschen

Probieren Sie beim nächsten Mal aus, die Reihenfolge willkürlich zu verändern. Fangen Sie mit Akt 5 an: Werten Sie sich selbst schon massiv ab, bevor der Auslöser (Akt 1) überhaupt richtig da war. Oder führen Sie Akt 4 (das Verhalten) aus, während Sie gleichzeitig versuchen, die Ruhe von vor Akt 1 zu simulieren. Diese absurde Choreografie signalisiert Ihrem System: „Hier stimmt was nicht!“ – und die Trance bricht auf.

2. Absurde Elemente hinzufügen

Gunther Schmidt, einer der Pioniere des hypnosystemischen Coachings, schlägt oft vor, völlig kontextfremde Elemente einzubauen. Die „Pirouette“ ist hierbei klassisch: Bevor Sie sich in den gewohnten Streit mit dem Kollegen stürzen, drehen Sie sich einmal kurz um die eigene Achse oder summen Sie laut die Melodie von „Alle meine Entchen“.

Das klingt lächerlich? Genau das ist der Punkt! Humor und Absurdität sind die stärksten Feinde der Problemtrance. Sie holen Sie sofort aus dem unwillkürlichen Fahrwasser zurück auf den Regiestuhl.

Vom Opfer zum Regisseur

Durch das Rührei-Prinzip gewinnen Sie wertvolle Sekundenbruchteile an Handlungsfreiheit zurück. Sie machen aus einem unwillkürlichen Prozess einen willkürlichen Akt. Sobald Sie entscheiden können, ob Sie erst die Pirouette drehen oder erst den Akt 5 vorziehen, sind Sie kein Opfer Ihres Musters mehr. Sie sind der Regisseur, der das Drehbuch nach Belieben umschreibt.

Mein Tipp für Sie: Warten Sie nicht auf die nächste große Krise. Üben Sie das Rührei-Prinzip an kleinen Alltags-Genervtheiten. Vertauschen Sie die Akte beim Warten an der Supermarktkasse oder beim morgendlichen Stau. Sie werden staunen, wie viel schneller Sie wieder in Ihre volle Kraft und Souveränität finden.

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CHRISTOPH SCHALK

MASTER COACH & PSYCHOLOGE

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