Resilienz-Coaching in der Praxis: Werkzeuge für echte Veränderung

Es ist Samstagnachmittag in meinem Seminarraum. Die intensive Arbeit der letzten Stunden hinterlässt Spuren – aber im positiven Sinne. In der Abschlussrunde sagte ein Teilnehmer gerade: „Mein Hirn ist voll, aber mein Werkzeugkoffer auch.“ Das ist genau das Ziel, das wir in der Würzburger Akademie verfolgen. Während draußen die Passanten durch die Straßen ziehen, haben wir uns hier drinnen durch die Tiefen der menschlichen Widerstandskraft gearbeitet.

Nachdem wir uns in den ersten beiden Artikeln mit der „Delta-Falle“ und den inneren Antreibern beschäftigt haben, geht es heute um das „Wie“. Wie begleiten wir Menschen dabei, aus der Erschöpfungsfalle auszubrechen? Welche Tools funktionieren wirklich?

Der Startpunkt: Das Unsichtbare messbar machen

Eines der simpelsten und doch kraftvollsten Werkzeuge, die wir im Workshop eingesetzt haben, ist die Skalierung. Oft kommen Klienten mit einem diffusen Gefühl von „Ich kann nicht mehr“ ins Coaching.

In meinem Workshop nutzen wir die Skala von 0 bis 10. Ich frage dann: „Wo stehst du heute mit deiner Resilienz, wenn 10 die volle Handlungsfähigkeit bedeutet?“ Diese Zahl ist eine Momentaufnahme, aber sie schafft sofort Klarheit. Im Seminarraum konnten wir beobachten, wie allein diese Einordnung den Stresspegel senkt. Warum? Weil das Problem dadurch besprechbar wird. Wir schauen uns nicht mehr einen riesigen Berg an, sondern eine konkrete Zahl. Von dort aus fragen wir: „Was müsste passieren, um von einer 4 auf eine 5 zu kommen?“ Es geht nicht um den Sprung zur 10, sondern um den nächsten machbaren Schritt im Ist-Zustand.

Die Analyse der Bewältigungsversuche: Wenn die Lösung das Problem ist

Ein zentraler Moment in unserem Workshop war die kritische Prüfung der bisherigen Lösungsstrategien. In der Delta-Falle neigen wir dazu, „mehr desselben“ zu tun. Wir versuchen, das Delta zwischen Soll und Ist durch noch mehr Anstrengung zu schließen.

Im Coaching schauen wir uns diese Bewältigungsversuche genau an. Wir fragen:

  1. Was hast du bisher getan, um den Stress zu bewältigen?
  2. Welche kurzfristigen Vorteile hatte das? (z.B. kurzzeitiges Gefühl von Kontrolle).
  3. Welche langfristigen Nebenwirkungen sind aufgetreten? (z.B. Schlafstörungen, Rückzug von Freunden, gesundheitliche Probleme).

Oft erkennen die Klienten erst in diesem Dialog, dass ihre Rettungsversuche in Wahrheit die „Delta-Falle“ nur noch tiefer graben. Resilienz-Coaching bedeutet hier, den Mut zum Aufhören zu fördern. Manchmal ist die beste Resilienz-Strategie nicht, eine neue Methode zu lernen, sondern eine alte, schädliche Gewohnheit wegzulassen.

Das Werte-Quadrat: Balance statt Perfektionismus

Ein Highlight, das wir im Detail besprochen haben, ist das Werte- und Entwicklungsquadrat. Viele Teilnehmer fanden es besonders erhellend, ihre Führungsstärken in diesem Modell zu spiegeln.

Nehmen wir das Beispiel einer Führungskraft, die sehr mitfühlend und mitarbeiterorientiert ist. Das ist eine wunderbare Stärke! Doch ohne einen Gegenpol kippt diese Stärke in die Überdosierung. Man wird zum „Kumpel“, der keine klaren Ansagen mehr macht und sich im Delta zwischen den Bedürfnissen der Mitarbeiter und den Zielen des Unternehmens aufreibt.

Resilienz entsteht hier durch die „zusätzliche Stärke“: Entschiedenheit, Klarheit und Abgrenzung.

Das Ziel ist die „Situative Führungskraft“. Es geht nicht darum, das Mitgefühl aufzugeben, sondern es durch Klarheit zu ergänzen. Im Workshop haben wir das ganz praktisch geübt: Wie fühlt es sich an, gleichzeitig wertschätzend UND eindeutig in der Ansage zu sein? Diese Balance reduziert das innere Delta massiv, weil die Führungskraft nicht mehr in der „Diktator-Falle“ oder „Kumpel-Falle“ feststeckt.

Ein Abschied aus Würzburg

Der Workshop endet. Die letzten Sätze sind gesprochen, das Feedback der Teilnehmer zeigt mir, dass die Botschaften angekommen sind. Es herrscht diese besondere Samstags-Stimmung: Ein bisschen Erschöpfung, aber viel Inspiration. Wir räumen die Schreibunterlagen in der Ecke auf, trinken den letzten Kaffee und verabschieden uns.

Was bleibt? Resilienz ist kein Ziel, das man einmal erreicht und dann besitzt. Es ist eine tägliche Praxis der Selbstführung. Ob als Coach oder als Führungskraft: Es geht darum, das Delta wachsam im Blick zu behalten und die eigenen Antreiber freundlich, aber bestimmt in die Schranken zu weisen.

Ich freue mich darauf, viele dieser Konzepte in den kommenden Ausbildungen an der Würzburger Akademie für Empowerment-Coaching weiter zu vertiefen. Denn am Ende geht es um eines: Dass wir nicht nur funktionieren, sondern in unserer Kraft bleiben.

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IHR KONTAKT

CHRISTOPH SCHALK

MASTER COACH & PSYCHOLOGE

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