„Ich will mich beruflich verändern, aber Sicherheit ist mir extrem wichtig.“ Solche Zwickmühlen kennen wir alle. Oft führt langes Grübeln nur tiefer in das Dilemma. In diesem Artikel stelle ich Ihnen eine hocheffektive Coaching-Methode vor, mit der Sie die Intuition Ihres Körpers nutzen, um stimmige Entscheidungen zu treffen.
Haben Sie sich schon einmal in einer Endlosschleife aus „Einerseits – Andererseits“ verloren? In der Psychologie sprechen wir von Ambivalenz – einem Zustand, in dem zwei (oder mehr) Bedürfnisse gleichzeitig um Vorrang kämpfen. Das Problem: Unser Verstand versucht meist, diese Konflikte rein logisch zu lösen. Doch Logik allein reicht bei emotional besetzten Themen oft nicht aus. Hier setzt die „Zwei-Hand-Methode“ an, die auf den Pionier der hypnosystemischen Beratung, Dr. Gunther Schmidt, zurückgeht.
Kopf vs. Bauch: Warum wir uns oft im Kreis drehen
Wenn wir in einer Zwickmühle stecken, agieren verschiedene „innere Anteile“ in uns. Da ist vielleicht der Anteil, der nach Abenteuer und Wachstum strebt, und ein anderer, dem Schutz und Stabilität heilig sind. Beide Seiten haben gute Gründe für ihre Position und verfolgen eigentlich ein positives Bedürfnis.
In der Beratung nutzen wir hier das Wissen über sogenannte somatische Marker. Das sind körperliche Signale (ein Kribbeln, eine Enge im Hals oder ein tiefes Durchatmen), die uns blitzschnell signalisieren, ob eine Entscheidung „stimmig“ ist oder nicht. Unser Körper weiß oft schon viel früher als unser Kopf, welcher Weg der richtige ist.
Die Übung: Den Konflikt in die Hände nehmen
Die Zwei-Hand-Methode hilft dabei, das unbewusste Wissen Ihres Körpers (die „unwillkürliche Ebene“) direkt anzusprechen. Sie können diese Übung wunderbar im Selbstcoaching anwenden:
- Die Seiten benennen: Identifizieren Sie die zwei Pole Ihres Konflikts. Zum Beispiel: Linke Hand = „Sicherheit/Stabilität“, rechte Hand = „Wachstum/Neuanfang“.
- Körperliche Repräsentation: Setzen Sie sich aufrecht hin und strecken Sie beide Hände mit den Handflächen nach oben aus. Stellen Sie sich vor, dass jede Hand einen dieser Anteile verkörpert.
- Die Anteile „sprechen“ lassen: Spüren Sie in jede Hand hinein. Wie schwer fühlt sie sich an? Wie fühlt sich die jeweilige Seite im Körper an? Geben Sie jedem Anteil Raum, seine Wichtigkeit zu betonen.
- Die intuitive Balance finden: Suchen Sie nun nicht nach einem 50:50-Kompromiss. Lassen Sie Ihre Hände ganz intuitiv eine Position zueinander finden, die sich „richtig“ anfühlt. Oft ist das Ergebnis eine Gewichtung, zum Beispiel 80 % Sicherheit und 20 % Abenteuer.
Vom Entweder-Oder zur Integration
Interessanterweise entsteht durch die körperliche Darstellung oft eine „Musterunterbrechung“. Das bloße Grübeln wird gestoppt, und man tritt in eine Beobachterrolle. Anstatt gegen einen Anteil anzukämpfen (was ihn oft nur stärker macht), würdigen wir beide Seiten als wertvolle Ratgeber.
Wenn Ihre Hände eine stimmige Balance gefunden haben, beobachten Sie: Was verändert sich in Ihrer Atmung? Wie wirkt dieser neue „Zustand“ auf Ihre nächsten Schritte? Oft zeigt sich hier eine Lösung, die weit über das ursprüngliche Dilemma hinausgeht.
Fazit: Ihr Körper ist ein hochsensibles Messinstrument. Indem Sie Ambivalenzen buchstäblich „in die Hand nehmen“, beenden Sie den Kampf im Kopf und schaffen Raum für eine Entscheidung, die wirklich zu Ihnen passt.


